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China verbannt westliche Computer: Lenovo anstelle von Dell oder HP - Welt


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Dell, HP und Asus konnten zuletzt zweistellige Zuwächse bei Lieferungen nach China verzeichnen Dell, HP und Asus konnten zuletzt zweistellige Zuwächse bei Lieferungen nach China verzeichnen

Dell, HP und Asus konnten zuletzt zweistellige Zuwächse bei Lieferungen nach China verzeichnen

Quelle: pa/NurPhoto/Jakub Porzycki

China verbannt westliche Computer aus Staatsbetrieben und Verwaltung. Zwei Jahre sind zum Austausch gegen Geräte aus heimischer Produktion angesetzt. Der Hauptprofiteur ist hierzulande gut bekannt. Westliche Firmen einer anderen Branche bleiben von dem Plan –noch – verschont.

Ganz neu ist das Ziel nicht. Seit rund einem Jahrzehnt verfolgt die chinesische Regierung das Ziel, sich unabhängig zu machen von westlicher Technologie. Doch jetzt greifen die Verantwortlichen durch. Ministerien, Behörden der Zentralregierung und Unternehmen mit staatlicher Beteiligung sind aufgefordert, Computer aus dem Ausland durch einheimische Modelle zu ersetzen. Zwei Jahre bleiben dafür Zeit. In einem nächsten Schritt sollen auch regionale und lokale Behörden folgen, denen dann ebenfalls 24 Monate Zeit eingeräumt werden für den Schritt.

Angestellte und Beamte seien nach den freien Tagen rund um den 1. Mai aufgefordert worden, ihre PCs und Laptops ausländischer Marken einzutauschen gegen Produkte aus dem Inland, die mit chinesischen Betriebssystemen laufen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf mehrere Personen. Allein auf der Ebene der Zentralregierung dürfte der Schritt 50 Millionen Geräte betreffen.

Profitieren dürfte von der Vorgabe vor allem der Platzhirsch Lenovo, der im vergangenen Jahr einen Marktanteil von rund 40 Prozent in der Volksrepublik hatte. Huawei Technologies und Inspur sind zwei weitere, rasch wachsende Computerhersteller im Land. Auf der Verliererseite dürften Dell, HP und Asus stehen, die in der zweiten Jahreshälfte zweistellige Zuwächse bei Lieferungen nach China verzeichnen konnten. Bei Office Software versuchen seit einiger Zeit die chinesischen Programmierer von Kingsoft und Standard Software westlichen Anbietern wie Microsoft den Rang abzulaufen.

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Als Grund für die Konzentration auf einheimische Anbieter, die in der Vergangenheit schon Mobiltelefone, Halbleiter oder Hardware für Kommunikationsnetzwerke erfasst hat, wird in China immer wieder auf Sorgen um die Informationssicherheit hingewiesen. Eine wichtige Rolle dürften auch US-Sanktionen der vergangenen Jahre gegen chinesische Tech-Konzerne wie den Netzwerkausrüster und Mobilfunkhersteller Huawei oder DJI, einen Anbieter von leistungsfähigen Drohnen, spielen. Nach Informationen der „Financial Times“ könnte in den kommenden Tagen auch Hikvision, der Spezialist für Sicherheitskameras, auf die Liste gesetzt werden.

Der Krieg in der Ukraine und das Sanktionsregime der Industriestaaten dürften den Druck noch verschärft haben. Vertreter der US-Regierung haben immer wieder deutlich gemacht, dass sie auch vor harten Sanktionen gegen die Volksrepublik nicht zurückschrecken würden, und dass sie daher genau im Blick hätten, ob und in welcher Form China Russland Unterstützung anbiete.

In der Abkopplung vom Westen und seiner Technologie sieht sich die Volksrepublik damit weiter bestärkt. China würde zwar den Begriff „Decoupling“ nicht nutzen, stelle sich öffentlich immer wieder dagegen, sagte Kevin Rudd, Präsident der Asia Society und ehemaliger Premierminister von Australien, kürzlich in einem Interview. „Aber durch die nationale Glaubenslehre von technologischer Autarkie bewegt sich [das Land] genau in diese Richtung.“ Aber es gebe auch Gegenstimmen, und die Bemühungen zur Abkopplung würden sich bisher nicht auf alle Wirtschaftsbereiche erstrecken.

IT-Produkte aus landeseigener Fertigung unterstützt China schon lange

In vielen Anwendungsbereichen, etwa bei Technologie-Apps, haben sich – unter anderem auch wegen der Verbote vieler westlicher Anbieter – ganz eigene chinesische Lösungen durchgesetzt, vom Nachrichtendienst WeChat, der auch Bezahlfunktionen, Bestellungen und vieles mehr ermöglicht, bis zu Shopping-Portalen wie JD.com oder Alibaba.

IT-Produkte aus landeseigener Fertigung unterstützt China schon lange. US-Konzerne wie HP oder Microsoft arbeiten daher in einigen Bereichen in Joint-Ventures mit Unternehmen vor Ort zusammen, nicht zuletzt um auch künftig an lukrative staatliche Aufträge zu kommen. Lange scheiterten die staatlichen Bemühungen für Autarkie an fehlenden oder unzureichenden Produkten, etwa in der Schalttechnik oder bei Software-Lösungen. Doch in den vergangenen Jahren sind immer mehr leistungsfähige chinesische Anbieter groß geworden. Bei Mikrochips verlassen sich die Chinesen aber weiter großteils auf westliche Anbieter wie AMD, Arm oder Intel.

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